Jahresbericht 2021: Postmarkt umsatzmässig um fast 5 % gewachsen

14.06.2022

Der postalische Gesamtmarkt verzeichnete 2021 ein Umsatzwachstum von annähernd 5 %, was dem höchsten Zuwachs seit vielen Jahren entspricht. Das deutliche Umsatzplus ist auf die aussergewöhnliche Dynamik im Paketmarkt zurückzuführen. Dies zeigt der Jahresbericht 2021 der Eidgenössischen Postkommission PostCom.

Die Schweizerische Post erbrachte die Dienstleistungen der Grundversorgung einmal mehr flächendeckend und durchgehend in guter Qualität. Obschon die Corona-Pandemie ihr erneut enorme logistische Anstrengungen abverlangte, erfüllte sie die strengen Vorgaben der Postverordnung, wenn auch unter Berücksichtigung von Force Majeure-Ausnahmen. Der Druck auf die postalische Grundversorgung bleibt unverändert hoch. Die Post kann deren Finanzierung trotz des schwierigen Umfelds zumindest vorderhand noch selbst tragen.

2021 stieg der Gesamtumsatz des Postmarktes um 4,7 % auf 4,4 Milliarden Franken (vgl. detaillierte Übersicht). Die Zunahme ist zum einen auf die aussergewöhnliche Dynamik im Paketmarkt zurückzuführen. Zum anderen hielten sich die Segmente Brief sowie Zeitungen und Zeitschriften besser als im Vorjahr. 2021 wurden auf dem Briefmarkt 1,5 Milliarden Franken umgesetzt. Im Vergleich zum Vorjahr ging der Briefumsatz um -2,6 % zurück, was deutlich unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre (-5,9 %) liegt.

Die Anzahl Sendungen für den gesamten postalischen Markt nahm erneut ab und betrug noch drei Milliarden. Mit -1,1 % fiel der Rückgang indes deutlich geringer aus als im Jahr 2020. Auch bei den Briefen reduzierte sich das Volumen mit -2,2 % auf 1,9 Milliarden verarbeitete Sendungen weniger stark.

Markt Grundversorgung: Der gesamte Umsatz, der in der Grundversorgung generiert wurde, nahm im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 % zu. 2021 kompensierte das starke Wachstum bei den Paketen bis 20 kg erneut den Rückgang bei den Briefen und den Zeitungen und Zeitschriften der Grundversorgung. Zudem fiel nun auch in der Grundversorgung der Paketumsatz erstmals grösser aus als der Briefumsatz.

Weiterhin gute Qualität der Grundversorgung

Während der Corona-Pandemie informierte die Post die PostCom im Berichtsjahr jeweils monatlich über die aktuelle Situation und die Zustellqualität. Dank der zeitnahen Informationen konnte die PostCom den Verlauf der Qualitätsindikatoren verfolgen und mögliche Auswirkungen zuverlässig einschätzen.

Zu Jahresbeginn und vor allem gegen Jahresende verzeichnete die Post die höchste Anzahl von Krankheitsfällen und anderen Absenzen, zum Beispiel infolge von privaten Betreuungspflichten im Zusammenhang mit Covid-Erkrankungen. Die PostCom kam zum Schluss, dass diese Abwesenheiten ein Grund für Force Majeure waren. Dies wurde anhand eines Audits von unabhängiger Seite bestätigt. Die PostCom informierte die Post jedoch ausdrücklich, dass massiv höhere Paketmengen nicht automatisch als ein Force Majeure-Ereignis eingestuft werden könnten. 

Laufzeiten teils knapp, Erreichbarkeit gut eingehalten

Bei den A-Post-Briefen erreichte die Post mit 97,00 % die Laufzeitvorgabe punktgenau. Im Vergleich zum Vorjahr fiel das Resultat in dieser Kategorie schlechter aus. Bei den B-Post-Briefen übertraf sie die Anforderungen mit den gemessenen 99,30 % deutlich.

Unter Berücksichtigung der Force Majeure-Ereignisse vermochte die Post mit 95,00 % für die Priority-Pakete die regulatorische Vorgabe von 95 % gerade noch zu erreichen. Bei den Economy-Paketen übertraf sie die Vorgabe mit 95,90 % leicht. Infolge Force Majeure wurden für die Laufzeitmessung nur acht von zwölf Monaten einbezogen. Ohne die Ausklammerung dieser Monate betrug die Laufzeit bei den Priority-Paketen 94,10 %, bei den Economy-Paketen 95,20 %.

Die Post konnte im Jahr 2021 ihr Netz (Poststellen und Agenturen) trotz der Pandemie durchgehend geöffnet halten. Sie erfüllte in sämtlichen Kantonen die gesetzlichen Anforderungen mit über 90 % Erreichbarkeit (inkl. Hausservice). Auf nationaler Ebene resultierte ein Jahreswert von 96,51 %.

 

Poststellen: Post hat Netzstrategie umgesetzt

Die Post hat mit ihrer neuen Strategie der "Post von morgen" die angekündigte Stabilisierung des Netzes mit rund 800 Poststellen umgesetzt. Ende 2021 bestand ein Netz von 805 eigenbetriebenen Poststellen und 1’251 Postagenturen, d.h. die Post verfügt insgesamt über 2’056 bediente Zugangspunkten. Wie schon in den Vorjahren ging die Anzahl der Poststellen stärker zurück, als die Anzahl der Agenturen zunahm.

Im Berichtsjahr gab die PostCom 22 Empfehlungen zu geplanten Schliessungen oder Umwandlungen von Poststellen ab. Zusätzlich wurde ein Verfahren abgeschrieben, weil die Post nach Rückzug des designierten Agenturpartners auf ihren Entscheid zurückkommen musste. Neu hinzu kamen Eingaben von neun Gemeinden. Per Ende 2021 waren noch zwei Eingaben (gegenüber deren 16 per Ende 2020) pendent.

Die Anzahl der Gebiete mit Hausservice ist auf 1’847 gestiegen, ein Plus von 50 Gebieten im Vergleich zum Vorjahr (1’797). Der Anteil der Haushalte in der Schweiz, die einen Hausservice erhalten, hat ebenfalls leicht zugenommen und beträgt 10,1 % (2020: 9,5 %).

 

Post kann Finanzierung der Grundversorgung vorderhand selbst erbringen

Obwohl beim regulatorischen Ergebnis ausserhalb der Grundversorgung eine starke Verbesserung eintrat, konnte die Post wie bereits in den Vorjahren den summarischen jährlichen Nachweis der Einhaltung des Quersubventionierungsverbots für das Jahr 2021 nicht erbringen. Die PostCom hat deshalb vertiefte Abklärungen getroffen, um die Ursachen des ausserhalb der Grundversorgung erwirtschafteten Defizits aufzudecken und zu überprüfen, ob die Erlöse einzelner Produkte und Dienstleistungen ausserhalb der Grundversorgung nicht ausreichen, um deren inkrementelle Kosten zu decken. Ungeachtet der defizitären Drittprodukte und des Ergebnisses der laufenden Abklärungen im Zusammenhang mit den Unternehmensübernahmen der Post konnte diese jedoch nachweisen, dass die Stand-alone-Kosten des reservierten Dienstes dessen Erlöse übersteigen. Entsprechend konnte die PostCom im Berichtsjahr keine verbotenen Quersubventionen feststellen.

Die vom Bundesrat beauftragte Expertenkommission hat konkrete Vorschläge zur Weiterentwicklung der Grundversorgung im Bereich von Post- und Zahlungsverkehrs-dienstleistungen erarbeitet und darauf hingewiesen, dass in Zukunft die Finanzierung der Grundversorgung auf dem Spiel stehe. Da die Post in der Lage ist, die Grundversorgung eigenwirtschaftlich zu erbringen, ist deren Finanzierung aus Sicht der PostCom derzeit sichergestellt.

 

PostCom setzt branchenübliche Arbeitsbedingungen und Mindeststandards durch

Nach Verstössen gegen die Pflicht zur Einhaltung der branchenüblichen Arbeitsbedingungen beziehungsweise der Mindeststandards im Bereich der Postdienste verhängte die PostCom im Berichtsjahr mehrere Aufsichtsmassnahmen und Verwaltungssanktionen. Es handelt sich dabei um einen Schwerpunkt der Aufsichtstätigkeit.

Seit Anfang 2019 hat die PostCom 38 Unternehmen vertieft geprüft und in 15 Fällen ein Aufsichtsverfahren eingeleitet. Verstösse wurden insbesondere hinsichtlich der mit den Arbeitnehmern vereinbarten Wochenarbeitszeit (höchstens 44 Stunden), des Stundenlohns (mindestens Fr. 18.27) und weiterer arbeitsrechtlicher Verpflichtungen festgestellt (z.B. Kompensationen für Nachtarbeit, Erfassung der Arbeitszeiten usw.) festgestellt. Einige Unternehmen hatten zudem mit ihren Subunternehmern nicht oder nur teilweise die Einhaltung der branchenüblichen Arbeitsbedingungen bei der Erbringung von Postdienstleistungen vereinbart.

Im Berichtsjahr wurden zudem 15 Strafbescheide wegen Verletzung der Meldepflicht erlassen. Der Bussenrahmen reichte dabei von CHF 200 bis CHF 1'800. Einsprachen gegen die Strafbescheide wurden keine erhoben, und die Entscheide sind in Rechtskraft erwachsen.

 

Übrige aufsichtsrechtliche Anzeigen und Verfahren

2021 gingen rund 50 Eingaben und Anfragen zu Hausbriefkästen ein. In 17 Fällen wurde ein Verwaltungsverfahren eingeleitet. Es lässt sich feststellen, dass die Post ihre Aufgabe, die Standortbestimmungen der Postverordnung für Hausbriefkästen umzusetzen, wieder verstärkt wahrnimmt. Die PostCom schloss im Berichtsjahr zwei Verfahren mit einem materiellen Entscheid ab. In beiden Fällen wies sie die Gesuche ab.

Bei Streitigkeiten über die Hauszustellung zwischen der Post und Empfängerinnen und Empfängern von Postsendungen hat die PostCom 2021 zwölf neue Verfahren eingeleitet. Im Berichtsjahr hat die PostCom keinen Entscheid betreffend die Hauszustellung und die seit Januar 2021 geltenden Rechtsgrundlagen gefällt.

 

Schlichtungsstelle sehr gefragt

Die unabhängige Schlichtungsstelle bearbeitete ihrerseits insgesamt rund 2'450 Kontakte (Briefe, E-Mail- und Telefonverkehr). 83 Fälle konnten erfolgreich geschlichtet bzw. abgeschlossen werden, ein Konfliktfall ist noch pendent. Gerichtsverfahren wurden keine eingeleitet.

 

Querschnittsprüfung der Eidgenössischen Finanzkontrolle

Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) führte als oberstes Finanzaufsichtsorgan des Bundes zwischen Juli und November 2020 unter Einbezug des Bundesamtes für Kommunikation (BAKOM), der Eidgenössischen Kommunikationskommission (ComCom) und der PostCom eine Querschnittsprüfung der Aufsicht über die Grundversorgung mit Post- und Telekommunikationsdienstleistungen durch. Gemäss ihrem Schlussbericht, den sie am 16. Mai 2022 veröffentlichte, stellte die EFK keine wesentlichen Mängel in der Aufsichtstätigkeit fest. Hingegen erkennt sie infolge der Trennung der Aufsicht über die Grundversorgung mit Postdiensten und Zahlungsverkehrsleistungen Doppelspurigkeiten in den jeweiligen Aufsichtstätigkeiten des BAKOM und der PostCom. Die EFK empfahl zudem eine Änderung der Rechtsgrundlagen, um die Aufsichtstätigkeit der PostCom mittels Erteilung eines Einsichtsrechts bei den Beaufsichtigten zu stärken.

 

Prioritäre Vorschläge zur Anpassung des Postgesetzes und der Postverordnung

Im Hinblick auf die zukünftige Evaluation zur Anpassung des Postgesetzes und der Postverordnung führte die PostCom Diskussionen darüber, welche Änderungen sie aus ihrer Regulierungspraxis heraus als dringlich betrachtet. Ihren Fokus legt sie auf die Postagenturen (Auswahl von Agenturpartnern, System zur Sicherung der Qualität), die Einhaltung der branchenüblichen Arbeitsbedingungen durch Subunternehmen sowie erweiterte Kontrollkompetenzen gegenüber Meldepflichtigen.

 

Ausblick

Die Erfahrungen aus der Pandemiezeit und aufgrund anderer Ereignisse verdeutlichen, dass die Leistungs- und Funktionsfähigkeit der postalischen Infrastruktur auch für zukünftige Krisenzeiten sichergestellt sein muss. Unterbrechungen und Störungen haben jeweils sofort Auswirkungen auf die Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung. Die Rolle der Postanbieterinnen und Logistiker ist eminent wichtig für funktionierende Volkswirtschaften.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit wird von den Postunternehmen zunehmend entlang der gesamten Wertschöpfungskette angewandt. Nachhaltigkeit muss aber auch im Markt selbst Eingang finden. Dazu gehören beispielsweise Arbeitsbedingungen, die einen fairen und gerechten Wettbewerb ermöglichen, sowie Preise für Dienstleistungen, die den tatsächlichen Kosten entsprechen.

Stärkere Digitalisierungsschübe, verbunden mit noch schneller erfolgenden Veränderungen im Kundenverhalten dürften in Zukunft die Regel und nicht mehr die Ausnahme sein. Die PostCom beobachtet im Postsektor eine immer stärkere Konvergenz zwischen der physischen und der digitalen Welt. Ein Service Public auf hohem Niveau ist und bleibt wichtig für den Zusammenhalt unseres föderalistisch geprägten Landes. Es gilt die richtige Mischung von immer stärker digitalisierten Postdiensten und deren Verfügbarkeit und Zugänglichkeit für alle Bevölkerungsgruppen und Regionen der Schweiz zu finden.

Zurück zur Übersicht

Zum Seitenanfang

Letztes Update: 21.01.2022